5000 Betriebe: Eine Wachstumshürde und -chance in Zeiten von COVID

Wie hat sich Farmable angepasst, um auch während der COVID-19-Pandemie zu wachsen?

Am 3. Juni 2021, inmitten der COVID-19-Pandemie, zunehmender Reisebeschränkungen und der insgesamt ungewissen Zukunft, traf sich unser Team, um das Vorgehen in den nächsten 12 Monaten zu besprechen.

Einerseits ist der Agrarsektor im Vergleich zu vielen anderen Branchen eher traditionell und noch wenig digitalisiert. Andererseits ist seit einigen Jahren ein verstärktes Interesse an der Entwicklung digitaler Lösungen für verschiedenste landwirtschaftliche Anwendungen zu beobachten. Ob Smart Farming, vertikale Landwirtschaft, Kohlenstoffbindung oder Internet der Dinge – die gesamte Branche steht vor einem Umbruch.

Die Landwirte hingegen sind müde. Sie haben verschiedene Wellen der „Disruption” kommen und gehen sehen, ohne dass es zu einer massiven Verbesserung gekommen wäre. Ja, viele landwirtschaftliche Großbetriebe haben von der zunehmenden Digitalisierung der Hard- und Software profitiert. Die meisten Obst- und Gemüsebaubetriebe hingegen taten dies nicht und gingen bei der Bewirtschaftung ihrer Betriebe Kompromisse ein.

Es gibt ein Gefühl der Skepsis, wenn es um Technologie geht, und ein Gefühl des „das war schon mal da”. Wie Lars Petter in seinem Blog beschrieben hat, sitzt der Erzeuger, also die Person, für die die Lösung entwickelt wird, oft nicht mit am Tisch. Lösungen werden erstellt und dann implementiert, wobei es dem Erzeuger überlassen bleibt, seine Arbeitsabläufe der Software anzupassen.

Diese Denkweise musste sich ändern, und wir waren überzeugt, dass wir eine gute Lösung dafür hatten. Farmable wurde von Erzeugern für die besonderen Bedürfnisse von Obst- und Gemüsebauern entwickelt und ist eine benutzerfreundliche, einfach und selbstständig in Betrieb zu nehmende Mobile-App. Dies steht im Gegensatz zu der in der Branche vorherrschenden Praxis komplexer und teurer Software, die durch einen demogetriebenen Verkaufsprozess an den Mann gebracht wird.

Die Idee war, ganz an den Anfang zu gehen, da, wo die Daten erfasst werden. Einfach, intuitiv und – im völligen Gegensatz zu den vorherrschenden Praktiken der Branche – kostenlos! Jeder Landwirt auf der Welt, nicht nur die Großbetriebe oder technikaffinen Unternehmen, sollte von dem kommenden Strukturwandel profitieren und sich darauf vorbereiten können.

Doch plötzlich war die ganze Welt in Aufruhr. Wie sollten wir unser Ziel, das Datenmanagement zu revolutionieren und die Botschaft zu verbreiten, fortsetzen, wenn wir nun nicht einmal Menschen treffen konnten?

Erzeuger, so glaubten wir, ziehen den persönlichen Kontakt vor. Was könnten wir tun, um Vertrauen aufzubauen und die Akzeptanz zu fördern, wenn dies nicht möglich ist?

Eine echte Herausforderung … aber auch eine Chance.

Gewissermaßen zwang uns die Situation, neue Wege zu gehen, um Bekanntheit zu erlangen und Kunden zu erreichen.

In einer mehrgleisigen Strategie beschlossen wir, selbst digitale Lösungen zu testen, um

  1. Aufmerksamkeit zu schaffen,
  2. Akzeptanz zu fördern,
  3. Beziehungen aufzubauen.

...und das alles virtuell.

Wir organisierten und nahmen an virtuellen Veranstaltungen und Webinaren teil, nutzten Social Media, Online- und Printmedien, Kundenanalysen, Videokonferenzen per Zoom, Google Meets usw. Unsere App wurde von zwei Sprachen auf fünf Sprachen erweitert! Wir haben unser Marketing mehrsprachig ausgebaut, mit agilem Marketing und schnellem Experimentieren viele Dinge ausprobiert. Nicht alles hat funktioniert, aber es ist auch nicht alles misslungen. Dabei haben wir gelernt, uns angepasst und sind gewachsen.

All das war neu für uns, und wir merkten, dass es auch für unsere Nutzer neu war.

Überrascht waren wir jedoch, wie hoch die digitale Akzeptanz in Bezug auf die Kommunikation unter den Landwirten bereits ist. Von Deutschland und Österreich über Großbritannien bis nach Australien. Auf allen Kontinenten passten sich die Erzeuger und Berater an und veränderten sich mit der Pandemie. Von der Nutzung von Facebook- und WhatsApp-Gruppen bis hin zu Nischenanwendungen wie Telegram. Von der zunehmenden Popularität von YouTube bis hin zum Komfort regionaler Erzeugergruppen. Es gab kein eingleisiges Vorgehen.

Fazit nach einem Jahr: eine 10-fache Zunahme der Akzeptanz in den Betrieben; Aufbau einer globalen Community von 5.000 Agrarbetrieben in 127 Ländern – Tendenz steigend; aktives Einholen von Feedback von unseren Anwendern und schnellere Umsetzung des Feedbacks in das Produkt; über 41.000 km getrackt, 20.000 Felder kartiert, 12.000 Jobs protokolliert, 10.000 Notizen erstellt und vieles mehr.

Team Farmable (L-R): Elena Guillen Alvarez, Kaye Hope, James Larsen, Russell Davison, Lars Petter Blikom, Max Bangen, Vidhi Kumar

Der Weg vor uns ist spannend und noch herausfordernder als der bereits zurückgelegte. In Kürze wird es möglich sein, die Profitabilität pro Schlag zu ermitteln – eine wichtige Forderung der Erzeuger. Indem wir alle Aktivitäten, Kosten und Ernten pro Fläche nachverfolgen, wollen wir die Art und Weise verändern, wie Landwirte mit ihren Daten umgehen. Damit machen wir sie fit für die Zukunft, um wirklich von den wertvollen Informationen zu profitieren, die aktuell über verschiedene Systeme verstreut sind oder einfach verloren gehen.

Erzeuger haben uns über verschiedenste Wege gefunden oder von uns gehört. Aktive Nutzung und positive Mundpropaganda waren der Schlüssel zur Produktakzeptanz. Ihr Vertrauen in unsere Arbeit hat uns nur noch mehr darin bestärkt, weiter an unserer Vision zu arbeiten, Erzeuger auf der ganzen Welt zu unterstützen.

    Tags: Erzeugergeschichten, Obstbau

    Moin, ich bin Max und arbeite eng mit Erzeugern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ich verbringe die meiste Zeit damit, mit Obst- und Weinbauern zu sprechen, um besser zu verstehen, wie sie neue Technologien nutzen und welche Anforderungen sie an Farmable für die Zukunft haben.

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