Von Erzeuger zu Erzeuger: Gründer Interview

Wenn du Erzeuger bist, weißt du bestimmt, wie schwierig die Arbeit in den Schlägen sein kann, vor allem, wenn die Geräte nicht für die eigenen Bedürfnisse geeignet sind. Du weißt, wie schwierig es sein kann, die eigenen Gewohnheiten zu ändern, um mit neuen Technologien und Vorschriften Schritt zu halten.

Lars Blikom, einer der Gründer von Farmable, ist ein Erzeuger, der den Mangel an digitalen Werkzeugen für Landwirte im eigenen Betrieb erlebt hat. Er hatte dieselben Schwierigkeiten, mit denen Erzeuger tagtäglich konfrontiert sind. So wurde die Idee zu Farmable geboren.

Zusammen mit einer Gruppe norwegischer Erzeuger erkannte Lars, dass die Digitalisierung des Betriebes viele Stunden einspart, die ansonsten damit verbracht werden Berichte und Dokumente auszufüllen oder die Arbeit zu organisieren.

Wir haben ihm ein paar Fragen zu seinem Unternehmen und seinen Erfahrungen gestellt, wie er auf die Idee kam eine Farm Managment Plattform zu gründen und wie seine Reise zur Gründung eines Unternehmens verlief.

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Betrieb in Norwegen

Woher kam die Idee für Farmable? Wie kam es dazu?

Wir haben 2014 einen Familienbetrieb übernommen, ihn von Getreide auf Obst und Beeren umgestellt und uns auf die Suche nach Tools gemacht, um den Betrieb richtig zu verwalten. Wir konnten aber nichts finden, das unseren Anforderungen entsprach, deshalb haben wir begonnen unsere Werkzeuge und ein System für unsere Datenverwaltung mithilfe verschiedener Google-Produkte zu entwickeln. Dieses System stellte sich als Prototyp für Farmable heraus, das wir vier Jahre später gründeten, um unsere Ideen auf einen globalen Markt zu bringen.

Als du das Projekt gestartet hast, gab es da schon ähnliche Anwendungen auf dem Markt?

Damals gab es einige Software-Systeme, von denen wir mindestens 10 bis 15 ausprobiert haben. Zu dieser Zeit gab es zwei Hauptkategorien von Betriebsführungssoftware:

  1. Datenbanksysteme, die von einzelnen Genossenschaften entwickelt wurden und viele spezielle Funktionen für ihre Region oder Anbaufläche hatten. Diese waren in der Regel aber nicht sehr benutzerfreundlich.
  2. Startup-Unternehmen boten moderne SaaS Lösungen an, aber der Schwerpunkt lag auf der Integration von Datenquellen für landwirtschaftliche Betriebe, wie zum Beispiel Maschinendaten. Diese Systeme konzentrierten sich also auf Funktionen, über die wir noch gar nicht nachgedacht hatten.

Wie würdest du Farmable in einem Satz beschreiben?

Farmable ist ein digitales Werkzeug, das bei der täglichen Arbeit in der Produktion Zeit spart.

Welche Erwartungen hattest du zu Beginn?

Als ich Farmable auf den Markt brachte, erwartete ich eine lange Reise mit harter Arbeit, schrittweisen Verbesserungen auf der Grundlage von Nutzerfeedback, Behebungen ärgerlicher Fehlermeldungen und eine lange Liste von Dingen, die wir tun wollen, aber nicht tun sollten - und das ist genau das, was wir bekommen haben.

Was waren deine Ängste?

Ich kann mich an keine bestimmten Ängste erinnern.

Wie groß denkst du ist der Einfluss von Farmable auf die Organisation der Arbeitsabläufe in Betrieben? Kannst du das begründen?

Ich denke, dass Farmable insbesondere für unsere engagierten Nutzer starke Auswirkungen auf ihre Tätigkeiten und Arbeitsabläufe in der Produktion hatte und auch weiterhin haben wird. Der Grund ist, dass es die Änderung ihrer Arbeitsabläufe erfordert und sie sich dadurch neue Arbeitsweisen im täglichen Arbeitseben angewöhnt haben. Das ist aber auch eine wertvolle und starke Veränderung, die ebenso in Zukunft Vorteile mit sich bringen wird. Wenn Arbeitsabläufe im Betrieb so verändert werden, dass Daten ständig und automatisch erfasst und gespeichert werden, wie es bei Farmable der Fall ist, sind Betriebe besser positioniert, um von allem was Agtech bietet und in Zukunft bieten wird, zu profitieren.

Welche Funktionen würdest du dir als Erzeuger als nächstes bei Farmable wünschen?

Wir haben vor kurzem unser viertes Modul auf den Markt gebracht, das meiner Meinung nach das ganzheitliche Betriebsmanagementsystem vervollständigt, von dem wir wussten, dass es die Grundlage für alles andere sein würde. Kurz gesagt, verwalten und erfassen unsere Nutzer mit Farmable, wie es heute ist, alle wichtigen Prozesse auf ihren Betrieben. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, neue Funktionen einzuführen und mein Traum wäre es, hier mit Integrationspartnern zusammenzuarbeiten. Wir müssen nicht alles selbst machen. Wir wollen uns darauf konzentrieren unserer wachsenden Nutzerbasis das Beste aus der Agrartechnik zu bieten. Wetterstationen und Satellitenbilder sind zum Beispiel Dinge, die wir unseren Nutzern schon bald zur Verfügung stellen werden.

Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft aus?

Seit Hunderten von Jahren geht der Trend dahin, dass immer weniger Erzeuger für immer mehr Menschen Lebensmittel produzieren. Dieser Trend wird sich fortsetzen und Automatisierung ist die einzige Möglichkeit, um wesentlich effizienter zu werden. Roboter und autonome Systeme werden in allen Bereichen der landwirtschaftlichen Lieferkette zum Einsatz kommen.

Welche Aufgaben in den Schlägen führst du selbst am liebsten durch? Welche würdest du gerne vermeiden, oder findest anstrengender?

Äpfel zu ernten ist eine relativ lohnende Aufgabe, weil es dabei offensichtlich wird, dass sich die Anstrengungen eines Jahres endlich in bare Münzen umwandeln lassen. Aber ehrlich gesagt gehöre ich nicht zu den Menschen, die eine romantische Vorstellung von der Landwirtschaft haben und denken, es sei ein Leben in der Sonne auf dem Land, weit weg vom Stadtleben. Es ist eine mühsame Arbeit, meistens langweilig und es gibt viel mehr Regen und Schlamm, als man erwarten würde. Darum freue ich mich schon darauf, die Arbeit zu automatisieren, was mein ultimatives Ziel mit Farmable ist.

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Wie sehr hat sich die App auf dein Leben in der Landwirtschaft ausgewirkt?

Viele Aufgaben lassen sich dadurch leichter planen, kommunizieren und ausführen. Das gilt insbesondere für drei Hauptelemente:

  • Korrektes Sprühen und dazugehörige Dokumentation;
  • Genaue Aufzeichnungen unserer Ernte;
  • Sicherstellen, dass Saisonarbeiter ihre Stundenzettel zeitgerecht und korrekt ausfüllen.

Wir haben eine Menge Zeit und Frustration bei diesen drei Punkten durch Farmable gespart.

Was werden die Herausforderungen der Zukunft sein (falls du denkst, dass es welche geben wird)?

Es wird extrem schwierig sein, genügend Nahrungsmittel zu produzieren. Erstens hatten wir eine globale Pandemie und die weltweit eingeführten Beschränkungen haben die Effizienz der Erzeuger langfristig beeinträchtigt. Zweitens haben wir einen Krieg zwischen zwei der größten Lebensmittelproduzenten der Welt. Wir haben die Auswirkungen noch nicht in vollem Umfang gesehen, aber ich denke, man kann mit Sicherheit sagen, dass wir auf eine massive Nahrungsmittelkrise zusteuern. Der Druck auf die Landwirte, mehr Lebensmittel zu produzieren, wird immens sein.

Was bedeutet "Erfolg" für Farmable?

Erfolg bedeutet, eine große Gruppe an Erzeugern zu haben, die sich befähigt fühlen mehr Kontrolle über ihren eigenen Betrieb zu haben, die weniger abhängig von anderen Akteuren im Agrarsektor sind und ehrgeizige Zielsetzungen in der Lebensmittelproduktion haben.

Wie war 2021 für Farmable? Welche Schwierigkeiten und Erfolge gab es im letzten Jahr?

Im Jahr 2021 hat Farmable einen wichtigen Meilenstein erreicht. Das Produkt scheint vollständig genug entwickelt zu sein, sodass es einer größeren Masse von Nutzern echte Vorteile bietet, nicht nur den engagiertesten Vorreitern. Wir haben das Produkt um die branchenweit beste Nutzererfahrung herum aufgebaut, was direkt zu mehr engagierten Nutzern führte.

Was können wir von Farmable in der Zukunft erwarten?

Wir werden uns noch stärker darauf konzentrieren, unsere Nutzer zu inspirieren und motivieren, weitere Schritte zur Verbesserung ihrer obstbaulichen Tätigkeiten zu unternehmen. Und wir werden unseren Nutzern bald Integrationsangebote anbieten, die den Wert eines globalen AgTech-Ökosystems deutlich machen werden.

    Tags: Erzeugergeschichten, Obstbau

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