Am 24. September 2026 hat das Julius Kühn-Institut (JKI) in einem Online-Seminar DiPAgE vorgestellt, seine kostenlose Anwendung für die digitale Pflanzenschutz-Dokumentation. Rund 600 Teilnehmende aus Praxis, Beratung und Verwaltung waren dabei. Neben der App ging es um den neuen IT-Datenstandard, der für alle Dokumentationslösungen gilt.
In diesem Artikel fassen wir zusammen, was du jetzt wissen musst: welche Angaben schon seit 2026 Pflicht sind, was sich 2027 ändert und wie du die Lösung findest, die zu deinem Betrieb passt.
Was gilt seit 2026 und was ändert sich 2027?
Grundlage ist die Durchführungsverordnung (EU) 2023/564. Sie ändert Artikel 67 der Verordnung (EG) 1107/2009 und gilt seit dem 1. Januar 2026. Seitdem gehören deutlich mehr Angaben in jede Aufzeichnung als früher.
Mit der Durchführungsverordnung (EU) 2025/2203 wurde nur die Pflicht zur elektronischen, maschinenlesbaren Form auf den 1. Januar 2027 verschoben. Der Umfang der Aufzeichnungen bleibt gleich.
Für die Praxis heißt das:
- 2026 ist noch keine maschinenlesbare Form vorgeschrieben. In Deutschland darf bis 31. Dezember 2026 auch schriftlich aufgezeichnet werden. Die neuen Pflichtangaben müssen aber schon jetzt enthalten sein.
- Ab 2027 zeichnest du jede Anwendung weiterhin unverzüglich auf. Wer nicht direkt elektronisch dokumentiert, muss die Aufzeichnung spätestens 30 Tage nach der Anwendung in das elektronische Format umwandeln.
Diese Angaben gehören in jede Aufzeichnung
| Bereich | Was aufgezeichnet wird |
|---|---|
| Behandlungsort | Georeferenzierung, z. B. InVeKoS-Nummer oder GPS-Punkt, dazu Flächengröße und Art der Fläche (etwa Freiland, Gewächshaus, Lager oder Saatgutbehandlung) |
| Kultur | Deutscher Name und EPPO-Code, sofern zutreffend |
| Anwendung | Datum, bei zeitlichen Einschränkungen auch die Uhrzeit. Mittel mit Zulassungsnummer. Tatsächlich ausgebrachte Menge und behandelte Einheit. BBCH-Stadium bei Indikationen mit Einschränkungen |
| Anwender | Name der Person, die das Mittel angewendet hat |
Drei Begriffe kurz erklärt:
- EPPO-Code: Ein international einheitliches Kürzel für Pflanzenarten, zum Beispiel VITVI für die Weinrebe.
- BBCH-Stadium: Eine zweistellige Zahl, die das Entwicklungsstadium einer Pflanze beschreibt, etwa Blüte oder Fruchtentwicklung.
- InVeKoS-Nummer: Die Kennung einer Fläche aus dem Agrarantrag.
Ist ein bestimmtes Dateiformat vorgeschrieben?
Nein. Die Verordnung schreibt keine bestimmte Datei vor. CSV, XML oder JSON sind mögliche Formate. Ein PDF gilt dagegen nicht als maschinenlesbar.
Damit die Daten trotzdem überall zusammenpassen, koordiniert seit April 2023 die Bund-Länder-Arbeitsgruppe „BLAG Pflanzenschutzmittelanwendungen“ die Umsetzung in Deutschland. Sie hat einen einheitlichen IT-Datenstandard entwickelt, mit der Agrarverwaltung abgestimmt und für alle Akteure am Markt bereitgestellt, also auch für Ackerschlagkarteien und andere Dokumentationslösungen. Veröffentlicht wurde der Standard am 2. September 2026.
Das ist eine gute Nachricht: Egal, mit welchem Werkzeug du dokumentierst, die Grundlage ist dieselbe.
DiPAgE: das kostenlose Angebot des JKI
DiPAgE steht für „Digitale Pflanzenschutz-Anwendungsdaten-Erfassung“. Das Institut für Strategien und Folgenabschätzung des JKI hat die Anwendung als Projekt des IT-Planungsrats entwickelt. Ziel ist, dass jeder Betrieb die Pflicht ohne Kosten erfüllen kann.
Das bietet DiPAgE laut JKI:
- kostenlos und ohne Registrierung nutzbar
- im Browser auf Computer und Smartphone, auch als App über den Browser installierbar, eingeschränkt offline nutzbar
- Speicherung lokal im Browserspeicher deines Geräts, ohne Übertragung der Nutzerdaten an den JKI-Server
- Sicherung aller Daten als ZIP-Datei im Profil, die sich wieder einlesen lässt
- Export in JSON, XML und CSV sowie als PDF
In der Live-Demo waren außerdem zu sehen:
- Sammelbuchung: eine Maßnahme für mehrere Flächen mit gleicher Kultur
- ein Modus für Tankmischungen
- die Auswahl von Feldblöcken auf einer Karte
- ein Schalter für Notfallzulassungen
- Hinweise zu zugelassenen Einheiten und Höchstmengen
- eine hinterlegte BBCH-Datenbank
Nach Angaben des JKI befindet sich die Anwendung derzeit in der Beta-Phase. Mehr Informationen findest du unter dipage.julius-kuehn.de.
Welche Lösung passt zu meinem Betrieb?
Die Pflicht ist für alle Betriebe gleich. Die Arbeitsweise ist es nicht. Ein Betrieb mit einer Person und wenigen Flächen braucht etwas anderes als ein Obst- oder Weinbaubetrieb mit Team, vielen Flächen und Abnehmern, die Nachweise verlangen. Diese Fragen helfen dir bei der Entscheidung:
- Wer kümmert sich um die Datensicherung? Wenn die Daten auf dem Gerät liegen, musst du regelmäßig selbst sichern. Überlege auch, was bei einem Gerätewechsel passiert.
- Wie viele Personen spritzen und dokumentieren? Und wie erfährt die Betriebsleitung, welche Flächen erledigt sind?
- Wie viele Flächen und Sorten bewirtschaftest du? Und wie oft behandelst du viele Flächen gleich?
- Wie oft spritzt du Tankmischungen? Wer rechnet dann Wasser- und Präparatmengen aus?
- Brauchst du neben der gesetzlichen Aufzeichnung Nachweise für QS, GlobalG.A.P. oder deine Abnehmer?
- Willst du Pflanzenschutz mit Ernte, Arbeitsaufträgen und Arbeitszeiten verbinden? Oder reicht dir eine reine Aufzeichnung?
Wenn du allein arbeitest, wenige Flächen hast und keine weiteren Nachweise brauchst, kann DiPAgE völlig ausreichen. Das gilt auch für manche Ackerbaubetriebe mit einfachen Abläufen.
Arbeiten dagegen mehrere Menschen auf dem Betrieb, hast du viele Flächen oder verlangen Abnehmer eigene Berichte, spielt Farmable seine Stärken aus. Florian Watzig, der einen Obstbaubetrieb mit mehr als 75 Hektar führt, beschreibt die Herausforderung so:
„Wenn mehrere Mitarbeitende gleichzeitig Pflanzenschutzmaßnahmen durchführen, ist die größte Herausforderung für mich, jederzeit den Überblick zu behalten, welche Flächen bereits erledigt sind.“
So funktioniert die Pflanzenschutz-Dokumentation mit Farmable
In Farmable erfasst du eine Maßnahme in drei Schritten:
- Flächen und Präparat auswählen. EPPO-Code und Zulassungsnummer aus der BVL-Liste werden automatisch eingetragen. Das BBCH-Stadium wählst du aus, es wird als Code übernommen.
- Berechnete Werte prüfen. Bei Tankmischungen berechnet Farmable Wasser- und Präparatmengen in einem Eintrag.
- Als erledigt markieren und exportieren. Die Maßnahme ist damit dokumentiert und kann im JKI-Datenstandard exportiert werden.
Dazu kommt, was im Alltag den Unterschied macht:
- Daten auf Servern: Farmable speichert deine Daten nicht nur auf dem Gerät. Bei einem neuen Gerät meldest du dich an und findest alles wieder.
- Offline und synchron: Die Apps für iPhone und Android funktionieren ohne Netz und synchronisieren automatisch, sobald wieder Empfang da ist. Im Web-Portal siehst du dieselben Daten.
- Mehrere Flächen auf einmal: Du wählst mehrere Flächen gleichzeitig aus und erfasst die Maßnahme nur einmal.
- Flächen in jedem Bundesland: Du lädst deine Flächen per Upload aus dem Antrag hoch oder zeichnest sie selbst ein.
- Laubwandfläche: Im Obst- und Weinbau kann auch die Laubwandfläche berücksichtigt werden.
- Zusammenarbeit im Team: Du planst Aufträge und weist sie zu. Mitarbeitende markieren sie als erledigt, und die Maßnahme ist dokumentiert.
- Mehr als die Pflicht: Berichte für QS und GlobalG.A.P. kannst du als PDF oder Excel erstellen. Pflanzenschutz lässt sich mit Ernte und Arbeitszeiten im selben System verbinden.
Die Basis-App ist kostenlos.
Fazit: Die Pflicht ist für alle gleich, der Aufwand nicht
Die neuen Pflichtangaben gelten seit 2026. Ab 2027 kommt die maschinenlesbare Form dazu. Mit dem IT-Datenstandard und DiPAgE hat das JKI eine gemeinsame Grundlage geschaffen, auf der alle Lösungen aufbauen.
Welcher Weg der richtige ist, hängt von deinem Betrieb ab. Wenn du mit Team, vielen Flächen oder Abnehmer-Anforderungen arbeitest, probiere Farmable aus.
Quellen
- Julius Kühn-Institut: DiPAgE
- IT-Datenstandard und Begleitdokument
- Durchführungsverordnung (EU) 2023/564
- Durchführungsverordnung (EU) 2025/2203
- Änderung des Pflanzenschutzgesetzes, BGBl. 2025 I Nr. 350
- JKI-Online-Seminar zu DiPAgE vom 24.09.2026